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31.08.2010
BACK in town

Urlaub?!

Schwups, der Urlaub ist zu ende. Und schon bin ich wieder in der "grossen Mango". Viel geändert hat sich nicht, es ist immer noch heiss und dreckig. Aber ich muss sagen, ich bin wesentlich entspannter geworden! Hurra! Man muss nur wissen, wie man mit maulenden Taxifahrern, meckernden Klimaanlagen und mediokren Restaurants gut leben kann. So einfach ist das!

Aber zurück zu meinem Urlaub. Als ich nach einem enorm heissen Tag in Estland, mit etwa 28 Grad Celsius, während eines malerischen Sonnenuntergangs in die etwa halb so warme Ostsee gesprungen bin, wusste ich was eine wirkliche Abkühlung ist und bekam blitzartig folgendes in den Sinn: Ätypten und Estland sind so unterschiedlich wie nur irgend möglich, also quasi komplementär, wenn man so will... Hier der Beweis:

Ägypten Estland
hat 8 Regentage pro Jahr hätte mit nur 8 Regentagen im August einen Jahrhundertsommer
hat eine Bevölkerungsexplosion erlebt ist seit hundert Jahren von einer knappen Million Esten (und ein paar anderen Menschen) bewohnt
ist wüstengelb ist dunkelgrün
ist das Land in dem ständig nur der Muezzin singt ist das Land in dem ständig alle singen
ist voll von Verschleierten ist voll von Frauen die glauben, ein breiter Gürtel sei ein Rock
ist ein Land in dem alle weiss sein wollen ist ein Land in dem alle braun sein wollen
ist ein Lieblingsreiseziel für Esten wird von einem Ägypter nicht auf der Landkarte gefunden
hat Skype gebannt wählt online
trinkt heimlich und drinnen säuft öffentlich (vor allem finnische Touristen)
ist gross und hat keine Bierauswahl ist klein und hat zig Biersorten
ist religiös ist atheistisch
hat eine Metro (die einzige in Afrika!) hat Trolleybusse aus Sowjetzeiten
hat per Film und TV seine Sprache in alle Nachbarläder exportiert hat einen 30%igen Bevölkerungsanteil, der immernoch Russisch spricht
ist da wo ich bin ist da wo ich gern wäre






11.07.2010
ES urlaubt

Urlaub?!

Diesmal steht der Urlaub unter völlig anderen Vorzeichen als sonst. Denn ich möchte an dieser Stelle unmissverstädlich festhalten wie sehr ich mich auf:

vom Sommeregen beim Spaziergang im Wald überrascht werden, Gewitterwolken am Sonntagnachmittag (und der Sonntag ist kein Arbeitstag!!) aufziehen sehen, Senf von der Bratwurst auf das frische Hemd kleckern, Bier an der Tanke kaufen und unter freiem Himmel trinken (Sorry Sir, alcohol can only be served inside...), Produkte im Supermarkt selber einpacken dürfen, Autos mit Sicherheitsgurten fahren, appetitliches Fleisch in der Auslage sehen, keine Klimaanlage brauchen müssen, Luft ohne Sand und Abgase atmen, nicht morgens um vier aus miesen Lautsprechern die übersteuerte Stimme eines Muezzins hören müessen, Autos die nicht hupen sehen, die Kinder frei laufen lassen können (da niemand sich mit blonden Engeln fotografieren lassen oder sie gar knutschen möchte), immer fliessend Wasser haben (und das noch ohne Chlorgeschmack! Halleluja!), das bekommen, was man bestellt hat, Internet mit mehr als 100kb/s surfen, Ampeln benutzen, nicht ''Hello, Mister, welcome to Egypt'' auf der Strasse hinterhergerufen bekommen, Wolken sehen, normale Fliegen verscheuchen (und nicht diese fiesen Dinger die in Deine Nase und Dein Ohr wollen und sich ums Verrecken nicht erwischen lassen), richtige Geldscheine anfassen und bei absolut entspannten Temperaturen um die 35 Grad einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen dürfen.

Denn langweiligen blauen Himmel, endlos weiten Sand, dumme Palmen und Affenhitze, die diesen Namen verdient (nicht diesen medial aufgepumpten Quatsch aus Europa), habe ich jeden Tag... Also ab in den Norden!!!




21.05.2010
SCHUHE Schuhe überall

Ein weiser Mann hat mir einmal gesagt: "Schau Dir die Schuhe an. Daran kannst Du viel über einen Menschen erfahren!" Egal ob man Sherlock Holmes spielen möchte, ein Schuhfetischist ist, oder dem weisen Mann glauben schenkt, hier in Ägypten kann man wirklich über das genaue betrachten des Schuhwerks einiges über seinen Besitzer heraus finden.

Leider kann ich an dieser Stelle nichts über Damenschuhe sagen. Das gehört sich nämlich nicht und ich habe Angst, das islaministische Fundamentalistinnen (das sind weibliche islamistisch-feministische Fundamentalistinnen) meine Dattelpalme vor dem Haus anzünden, wenn ich mich unqualifiziert äussern sollte.

Bei den Herren sieht es da schon anders aus. Hier sagt der Schuh auf den ersten Blick einiges über den sozialen Stand aus.

1. Die billig Adilette: Es muss wohl irgend einen Hersteller geben (wahrscheinlich in good old China) der millionenfach diese Dinger pressen lässt. Es gibt sie nur in blau und ohne jeglichen Schnickschnack. Eine blaue Addilette ohne Streifen. Fertig. Die wird von denen ganz unten getragen. Da es da unten sehr sehr sehr viele gibt, verdient einer ganz oben mit den Dingern unendlich viel Kohle. Ich habe sie vor allem an Bauarbeitern, Bettlern, Strassenarbeitern, Müllmännern, Bowabs, usw. gesehen. Falls jemand an dieser Stelle nach Stahlkappensicherheitsschuhen fragt, hahaha... Welcome to Egypt!

2. Der weisse Gummistiefel: ja es gibt ihn wirklich! Er wird gerne auch zwei drei Nummern zu gross getragen und vor allem von Vorarbeitern benutzt. Gerne beim Flexen oder sonstigen gefährlichen Arbeiten. Das alter der Stiefel kann man an der Zahl der tiefen Einschnitte (Flexunfälle des Vorbesitzers) erkennen.

3. Der billige türkische Slipper: billigstes Obermaterial in einer 0815-wir-kopieren-den-modischen-Trend Einheitsform. Wahlweise braun oder schwarz. Bevorzugt getragen von Taxifahrern (schwarzes Taxi), einfachen Kellnern und Securityguards. Meist nicht ganz sauber und ob der minderen Qualität etwas ausgetreten, aber zumindest geschlossen. Wie der Name sagt, wird ein Grossteil der hier verkauften Schuhe aus der Türkei importiert.

4. Der bessere türkische Slipper: sieht eigentlich fast so aus wie der billige, ist nur etwas sauberer und in einer Vielzahl von Variationen erhältlich. Getragen von kleinen Beamten, Lehrern, Taxifahrern (weisses Taxi) Oberkellnern, Hotelrezeptionisten und Neppern, die einen auf der Strasse zufällig auf deutsch ansprechen, zufällig schon mal in der gleichen Gegend waren, aus der man stammt und zufällig einen Onkel haben, der um die Ecke das beste und billigste Papyrus der Stadt verkauft...

5. Der Adidas Schuh: Der Schuh für den junggebliebenen und sportlich-dynamisch wirken wollenden Ausländer (oft Deutscher), der sich freut so günstig an Markenschuhe zu kommen, die ihm die Mutter früher nie kaufen wollte... "Junge, da wächst Du so schnell raus... das lohn sich nicht..."

6. Der echte Leder Slipper: vom netten Einzelhändler des Vertrauens. Dieser Schuh wird von Anzugträgern (geschlossenes Hemd und Krawatte) die für den unter Nr.7 aufgezählten Herrn als Driver, Killer oder beides arbeiten getragen.

7. Der teure echte Leder Slipper: je nach Alter des Besitzers, handgemacht und auf den breiten Fuss gezaubert oder im teuren Designerladen (in Dubai oder Paris) von der highheel Drittfreundin ausgesucht. Dieser Schuh wird ausschliesslich von Anzugträgern (offenes Hemd, Goldkette, lots of Brusthaar, Sonnenbrille, mindestens drei Handys und einem Schlüsselbund mit gefährlich schwer und scheisse teuer aussehendem Anhänger) getragen. Mit derartigen Menschen sollte man besser nur dann in Kontakt treten, wenn man unbedingt allein mit Schuhen aus Beton im Roten Meer tauchen gehen möchte, Nuklearsprengköpfe aus Sibirien zu verkaufen hat, für diese ein Zwischenlager in Syrien sucht und Geld dabei keine Rolle spielt oder man ein einfacher Schuhputzer am Tahir ist.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass es sich bis auf Nr.5 ausschliesslich um Slipper oder zumindest schnell und einfach ausziehbare Schuhe handelt. Wer fünf mal am Tag beten geht und sich vorher immer rituell und tatsächlich die Füsse waschen muss, weiss warum...





05.04.2010
HOLLA die Waldfee

Ja, ja, ja, ich weiss. Lange kein Entrag mehr... aber hey: Try walking in my shoes! Hier bei mir in Ägypten ist die Hölle los! Man weiss gar nicht mehr was tun und wenn ja warum überhaupt!

Missbrauchskandale wohin das Auge blickt (keine Panik ich war nur "Externer" in einem unbekannten und niveaufreien Landschulheim), der Neuwagenmarkt bricht ein, es ist April und irgendwie immer noch Winter, im Fernsehen läuft nur gequirlter Mist, die Steuerrückzahlung lässt auf sich warten, dafür möchten die Stadtwerke für eine Wohnung Geld sehen, in der ich nicht mehr wohne und M. Schumacher fährt auch nur noch untere Mittelklasse!

Hallo! Merkst Du es noch? Spürst Du mich? Das soll keine Entschuldigung für meine Faulheit sein, aber bitte mal ehrlich... wenn Du solche Probleme hättest, würdest Du den ganzen Tag im dunklen Zimmer sitzen und flennen!

Na gut! Dann heul doch! Kannst Du aber auch mit etwas mehr "Style" bei mir machen. Bin nämlich umgezogen in eine grosszügige Wohnung mit Dachterasse. Welche sich im auf dem Reissbrett geplanten New Cairo befindet. Hier ist die Luft noch sauber, der Himmel immer blau (siehe Bild) und und die Nachbarn rar... Ja, das ist eine Einladung!




29.01.2010
DIE GANZE und die reine Wahrheit

Wenn man in den einschlägigen Reiseführern blättert oder sich im Internet mit Informationen über Kairo eindeckt, kommt ein Satz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor: "Wie ich Kairo finde? Ich liebe und ich hasse es!". Ein klarer Fall von Hassliebe also. Danke Watson!

Am Anfang dachte ich ebenso. Im laufe der Zeit hat sich aber eine leicht andere Perspektive ergeben, die sich etwa so ausdrücken lässt: Kairo ist eine alte Thekenschlampe. Nach vier Bier und bei Nacht sieht sie eigentlich ganz verführerisch aus. Aber am Morgen scheint ihr die Sonne brutal ins Gesicht und man schwört sich nie wieder einen Tropfen anzurühren... bis zum nächsten Abend.





19.01.2010
AUF EIN NEUES und zurück

Selbstverständlich könnte ich nun wieder toll dreiste Geschichten und unterirdischen Schwachsinn über das wahnsinnige Ägypten erzählen. Doch eine höhere Macht hält mich davon ab und lässt mich statt dessen einen Blick in eine weit entfernte Vergangenheit wagen, von niemand weiss ob sie wahr ist oder nicht...